Ir-113-cover englisch

Before and Beyond Al-Shabaab: National Islamic Councils, Contentious Politics and the Rise of Jihadism in East Africa
Saalfeld, Jannis

Nach den Bombenanschlägen 2010 in Kampala und dem Überfall auf das Westgate Einkaufszentrum in Nairobi 2013 hat sich der wissenschaftlich-politische Diskurs über gewalttätigen Extremismus in Ostafrika vor allem mit Al-Shabaabs Transformation in eine nachhaltige transnationale Sicherheitsbedrohung befasst. Dabei droht in Vergessenheit zu geraten, dass das regionale Aufkommen des Dschihadismus nicht erst mit dem gegenwärtigen somalischen Bürgerkrieg begonnen hat. Vor diesem Hintergrund untersucht der INEF-Report 113 breitere historische Muster politisch-religiöser Mobilisierung in Ostafrika. Entstehung und Expansion militant-islamistischer Netzwerke seit dem Ende des Kolonialismus werden in vier Ländern (Kenia, Uganda, Tansania und Mosambik) nachgezeichnet. In allen Fällen sind sie unter anderem auf das Versagen weitgehend nicht-muslimischer Herrschaftseliten zurückzuführen, die islamische Sphäre durch nationale Muslimverbände wirksam zu regulieren. Konkret zeigt der Report wie die Desintegration muslimischer sozialer Bewegungen ein politisches Umfeld schuf, das der kollektiven Radikalisierung zuträglich war. Der INEF-Report kommt zu dem Schluss, dass die übergeordneten Pfade islamischer Kontestation, die sich in den multi-religiösen Gesellschaften Ostafrikas entfaltet haben, bedeutende Ähnlichkeiten aufweisen. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass Timing und Eskalationsdynamiken dschihadistischer Gewalt und Radikalisierung von länderspezifischen Rahmenbedingungen abhängig gewesen sind.

Local-International Relations and the Recalibration of Peacebuilding Interventions Insights from the ‘Laboratory‘ of Bougainville and Beyond, INEF-Report 112
Boege, Volker / Rinck, Patricia / Debiel, Tobias

Der Report sieht die Mikro-Ebene des Post-Conflict Peacebuilding als zentrale Untersuchungsdimension für externe Interventionen an. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Beziehungen und Interaktionen internationaler und lokaler Akteure. Welche Änderungen ergeben sich hinsichtlich ihrer Perzeptionen, Erwartungen, Einstellungen und Aktivitäten im Verlauf dieser Interaktionen? Können wir Erfahrungen und Mechanismen identifizieren, die zu einer Neubestimmung von Beziehungen und Interaktionen führen? Kommt es folglich zu einer Neujustierung der gesamten Peacebuilding-Unternehmung, so etwa mit Bezug auf mehr (oder weniger) Kooperation, mehr (oder weniger) wechselseitigem Vertrauen, mehr (oder weniger) Animositäten und Missverständnisse, und mehr (oder weniger) Legitimität? Eine vertiefende Fallstudie zu Bougainville behandelt diese Fragen. Sie basiert wesentlich auf narrativen, problemzentrierten Interviews mit internationalen und lokalen Akteuren, die im entsprechenden Peacebuilding-Prozess engagiert waren bzw. noch sind. Bougainville wird dabei als eine Art “Laboratorium” betrachtet, in dem international-lokale Beziehungen und Interaktionen ziemlich unmittelbar stattfinden, denn nationale Institutionen spielen hier eine vergleichsweise geringe Rolle, und externe Akteure kamen auf Einladung nicht nur nationaler, sondern auch lokaler Akteure vor Ort. Die explorative Studie zu Bougainville wird ergänzt durch eine Plausibilitätsprobe zu Sierra Leone, wo sich in vielerlei Hinsicht abweichende oder entgegengesetzte Ausgangsbedingungen finden.

INEF-Report Heft 111/2016

Terrorism: Undefinable and Out-of-Context? Reconceptionalizing Terrorism as a Context-Specific Tactical Tool, INEF-Report 111
Hippler, Jochen

Die wissenschaftliche Forschung zu und die Diskussion über “Terrorismus” leiden immer noch an dem mangelnden Konsens darüber, wie der Begriff und damit das Forschungsfeld überhaupt definiert werden sollten, an der oft vagen und widersprüchlichen praktischen Begriffsverwendung, an der Politisierung des Begriffs und seiner Verwendung als politische Diskreditierungsfloskel und daran, den Terrorismusbegriff aus den politischen Kontexten zu lösen, die terroristische Praktiken hervorbringen. Der Report untersucht diese konzeptionellen Schwächen der Terrorismusforschung und formuliert im ersten Teil einige Vorschläge, wie mit ihnen umgegangen werden sollte. Eine wesentliche Erkenntnis ist, dass bei der Analyse von Terrorismus die politischen Kontexte in Mittelpunkt stehen sollten, die ihn hervorbringen. Dies wird am Beispiel von Bürgerkriegen und gewaltsamen Aufständen illustriert, die dafür von besonderer Bedeutung sind. Die Studie kommt zum Schluss, dass Terrorismus keine Ideologie ist, keine Kategorie der Kriegführung, nur selten eine Strategie, sondern in der Regel ein taktisches Instrument, das im jeweiligen politischen Kontext analysiert werden muss.

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