The strong nation-state and violence, UAR Working Paper No. 16
Tischmeyer, Christian

Unsere Welt ist noch immer extrem gewalttätig. Das steht in scharfem Gegensatz zu Elias‘ Zivilisierungsprozess, einer kontinuierlichen Befriedung der Gesellschaft in der Moderne. Genau diejenige Organisation, welche diese gesellschaftliche Befriedung vorantreiben soll, der moderne Staat, ist selbst zentraler Grund der andauernden Gewalt. Tatsächlich sind die meisten der berüchtigten Massaker, Genozide und ethnischen Säuberungen der Moderne gar nicht denkbar ohne eine so effektive Organisation wie den starken Staat. Ich möchte diesen Zusammenhang verdeutlichen, unter Anwendung eines historisch-institutionalistischen Ansatzes, aus einer gegenüber etablierten Ordnungen kritischen Perspektive. Moderne Staatlichkeit wird als zugeschriebene Eigenschaft verstanden, abhängig von Bedingungen einer ‚internationalen Gemeinschaft‘. Diese Zuschreibung beruht auf fünf Dimensionen von Staatstätigkeit. Ein Staat gilt als stark, wenn seine Leistung in folgenden Bereichen anerkannt wird: Monopol der Rekrutierung, direkte Besteuerung, bürokratische Organisation, Förderung der formellen Wirtschaft und Aufrechterhaltung der inneren Ordnung. Da die Erfüllung dieser Aufgaben auf direkter Herrschaft beruht, sind starke moderne Staaten zwangsläufig Nationen. Mit Hilfe eines akteurszentrierten Gewaltkonzepts werde ich untersuchen, inwiefern Gewalt für Schaffung und Erhalt dieser Ordnungen notwendig ist. Ich schlussfolgere, dass Nationalstaaten eine institutionelle Neigung zur Ausübung von Massengewalt haben. Um also weniger Gewalt zu erreichen muss jenseits dieser politischen Ordnung gedacht werden.

Schlagwörter: Moderne Staatlichkeit, starker Staat, Nationalstaat, Gewalt, ethnische Säuberung, historisch-institutionalistisch, Herrschaftskritik.


Erscheinungsort: Duisburg/Bochum

Erschienen: März 2018

Seiten: 65 pp.

Seriennummer: 2016

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