Das Phänomen „neue Geber“: Eine gabentheoretische Reflexion zu den aktuellen Dynamiken in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit
Müller, Franziska / de la Fontaine, Dana / Sondermann, Elena

Erschienen in: Müller, Franziska / Sondermann, Elena / Wehr, Ingrid / Jakobeit, Cord / Ziai, Aram (Hrsg.): Entwicklungstheorien: Weltgesellschaftliche Transformationen, entwicklungspolitische Herausforderungen, theoretische Innovationen. PVS Sonderheft 48

Die internationale Geberlandschaft sieht sich seit Beginn des Jahrtausends mit der wachsenden Bedeutung von Staaten wie China, Indien, Brasilien oder Südafrika in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) konfrontiert. Diese neuen Geber scheinen durch eine „alternative Praxis des Gebens“ neue finanzielle und politische Spielräume zu schaffen und dabei etablierte Kooperationsformen und Normen in Frage zu stellen. Der vorliegende Beitrag nimmt diese (diskursive) Dichotomie zwischen „neuen“ und „etablierten“ Gebern als Ausgangspunkt und untersucht die (Austausch)Praktiken der Ressourcenallokation und die damit verknüpften Rollenverständnisse und Machtbeziehungen von Gebern. Dabei beziehen wir uns auf soziologische, kulturanthropologische und (post)strukturalistische Theoriestränge. Dies ermöglicht es uns, die besondere Form von Macht-, Tausch- und Redistributionsbeziehungen, die die entwicklungspolitische Praxis des Gebens zwischen einem Geber und einem Empfänger etabliert, kritisch zu beleuchten. Wir befassen uns mit Indien, Brasilien und Südafrika, und interpretieren deren entwicklungspolitische Praktiken gabentheoretisch. Wir zeigen, dass die „neuen Geber“ ein Kontinuum bilden, was ihre Allokationspraktiken und Diskurspositionierungen angeht. Die einst klar erscheinende Klassifizierung und Gegenüberstellung von „traditionellen Gebern“ vs. „neuen Gebern“ verschwimmt dabei zusehends. Dennoch hat die Präsenz „neuer Geber“ deutliche Auswirkungen auf die internationale Entwicklungspolitik: Über die Suche nach Kooperationsformen mit den „neuen Gebern“ und ihre zunehmende Einbindung verändern sich Rollen und Machtverhältnisse in verschiedenen EZ-Arenen und werden Normen und Governanceformen internationaler Entwicklungspolitik in Frage gestellt.


Erscheinungsort: Baden-Baden

Erschienen: September 2014

Seiten: 249-289

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